Das Kommandeur Haus und seine Geheimnisse

Wussten Sie, dass sich hinter den Mauern des Kommandeur Hauses ein besonderes kunsthistorisches Highlight verbirgt? Die Deckengemälde im Esszimmer des historischen Hauses sind nicht nur dekorativ – sie sind ein echter Kulturschatz!

Das goldene Zeitalter

Die Geschichte der Insel Föhr reicht weit zurück. Bereits vor rund 7000 Jahren war die Insel besiedelt – davon zeugen bis heute Hügelgräber und archäologische Funde. Später stand Föhr, wie große Teile der nordfriesischen Küste, zeitweise unter dem Einfluss der Wikinger. Mit der Christianisierung im Hochmittelalter begann eine neue Epoche. Aus dieser Zeit stammen mehrere eindrucksvolle Inselkirchen, darunter die romanische Kirche St. Johannis – nur wenige Schritte vom Kommandeur Haus entfernt. Während zunächst Salz aus Seetorf zu den wichtigen Handelsgütern gehörte, wurde ab dem späten 17. Jahrhundert der Walfang zur wichtigsten Einnahmequelle der Insel. Mit dem Wohlstand dieser Jahre entstanden die typischen Kapitäns- und Kommandeurhäuser, die bis heute das Bild Nieblums prägen.

Auch das Jonggöntje Haus – erstmalig erwähnt 1785 – und das Kommandeur Haus erzählen von dieser Blütezeit Föhrs. Das Kommandeur Haus wurde 1751 von Jacob Harresen erbaut und trug ursprünglich den Namen „Haus Christiansen“. Stilecht war der Garten damals von einem Zaun aus Walknochen umgeben – heute kaum vorstellbar. Im Inneren des Hauses ließ Kommandeur Harresen den schwedischen Künstler Karl Gustav Ehrenfried kunstvolle Deckengemälde schaffen, die bis heute erhalten geblieben sind. Tatsächlich finden sich auch im nahegelegenen Friesendom Werke, die Ehrenfried zugeschrieben werden, denn die Gemälde am Altarsockel mit Darstellungen des Abendmahls und der Fußwaschung Christi sollen ebenfalls aus seiner Hand stammen.

Jakob schlafend - Detail Deckengemälde Karl Gustav Ehrenfried
Detail eines Deckengemäldes im Kommandeur Haus

Der Jakobs-Zyklus

Wer das Esszimmer des Kommandeur Hauses betritt, richtet den Blick fast unweigerlich nach oben: Die handgemalten Deckengemälde ziehen Besucher bis heute in ihren Bann. Die vier Werke von Karl Gustav Ehrenfried sind heute Teil des Forschungsprojekts „Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland“, das Deckenmalereien aus dem Barock-Zeitalter digital dokumentiert, erforscht und öffentlich zugänglich macht.

Die Gemälde erzählen Szenen aus der biblischen Geschichte Jakobs – von Aufbruch, Begegnung, Vertrauen und göttlicher Führung. Ihre Bildsprache passt auf besondere Weise zu einem Haus, dessen Bewohner einst selbst immer wieder zu langen und oft ungewissen Reisen aufbrachen. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung von Jakobs Traum von der Himmelsleiter: In der biblischen Erzählung erhält Jakob in diesem Moment die Zusage göttlichen Schutzes. Auch die Föhrer Kapitäne waren auf ihren weiten und oftmals gefährlichen Fahrten auf die Hoffnung auf göttlichen Beistand angewiesen. Während die Männer häufig den gesamten Sommer auf See verbrachten, führten die Frauen zu Hause Hof, Haushalt und Familiengeschäfte weiter. Mit den traditionellen Biikefeuern wurden die Seefahrer verabschiedet – ein Brauch, der bis heute besteht.

Die sprechenden Grabsteine

Eine Besonderheit Föhrs sind die sogenannten „sprechenden Grabsteine“, wie sie auch auf den historischen Friedhöfen der Insel zu finden sind. Sie geben interessante Einblicke in das Leben der Inselbewohner. Anders als schlichte Grabmale erzählen sie vom Leben der Verstorbenen: In kunstvollen Inschriften berichten sie von Herkunft, Familie, Beruf, Reisen, Erfolgen – und manchmal auch von Schicksalsschlägen. Viele dieser Grabsteine stammen aus der Blütezeit des Walfangs im 17. und 18. Jahrhundert und spiegeln die wirtschaftliche Stärke wider, den die Seefahrt auf die Insel brachte.

Besonders bekannt ist der Grabstein des „glücklichen Matthias“. Der Föhrer Walfänger Matthias Petersen (1632–1706) galt als einer der erfolgreichsten Kommandeure seiner Zeit. Der Überlieferung nach brachte er seine Mannschaften von zahlreichen Walfangreisen stets sicher zurück und gelangte zu großem Wohlstand. Sein reich verzierter Grabstein in St. Laurentii in Süderende erzählt – wie viele der sprechenden Grabsteine – nicht nur vom Tod, sondern von einem außergewöhnlichen Leben und von der tiefen Verbundenheit Föhrs mit dem Meer.

Friesendom in Nieblum

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